Warum?
Warum?
Stoppe kontraproduktive Aktivitäten und Verhaltensweisen, um …
- Raum für Innovation zu schaffen,
- gemeinsam Hindernisse zu überwinden und so Vertrauen aufzubauen,
- die Leichen aus dem Keller zu holen.
Was?
Was?
Mit
TRIZ (Creative Destruction) zäumt ihr das Pferd von hinten auf: Ihr überlegt zuerst, wie ihr zuverlässig scheitern könnt, entdeckt anschließend, was ihr davon bereits tut, und entwickelt schließlich konkrete Wege, diese kontraproduktiven Aktivitäten zu stoppen.
Grober Ablauf
Zuerst entwickelt die Gruppe spielerisch Aktivitäten und Verhaltensweisen, die zuverlässig zum schlechtesten denkbaren Ergebnis führen. Danach prüft sie schonungslos ehrlich, welche dieser Aktivitäten sie heute bereits selbst praktiziert. Im letzten Schritt entwickelt die Gruppe konkrete Gegenmaßnahmen, um die erkannten kontraproduktiven Aktivitäten zu stoppen.
Wirkung und Effekte
Wann kannst du TRIZ anwenden und was kannst du damit erreichen?
Bei Problemen stürzen wir uns häufig direkt auf die Symptombekämpfung. Dabei übersehen wir leicht tiefer liegende Ursachen und unseren eigenen Anteil an der Situation. Gleichzeitig bewegen wir uns bei der Lösungssuche in vertrauten Denkmustern und verpassen ungewöhnliche Ansätze.
TRIZ (Creative Destruction) durchbricht diese Muster mit einem spielerischen Perspektivwechsel. Statt unmittelbar nach Verbesserungen zu fragen, entwickelt die Gruppe zunächst möglichst wirksame Strategien zum Scheitern. Das schafft Distanz und einen geschützten Raum, in dem auch schwierige oder unangenehme Verhaltensweisen ausgesprochen werden können.
Die entscheidende Wendung folgt, wenn die Beteiligten erkennen, welche dieser kontraproduktiven Verhaltensweisen sie bereits selbst zeigen. So kommen Hindernisse auf den Tisch, die den Fortschritt der Gruppe bisher blockiert haben. Weil die Beteiligten diese Zusammenhänge selbst entdeckt haben, entsteht eine gute Grundlage dafür, passende Gegenmaßnahmen zu entwickeln und tatsächlich umzusetzen.
„TRIZ“ ist das russische Akronym für „Theorie der erfinderischen Problemlösung“, russisch „теория решения изобретательских задач“. Der disruptive Zugang hilft dabei, festgefahrene Denkweisen aufzubrechen und erfinderische Lösungen entstehen zu lassen. Kurz: Hol die Leichen aus dem Keller!
TRIZ in der Entscheidungsfindung
Mit
TRIZ (Creative Destruction) lädst du die Beteiligten zu einem disruptiven Perspektivwechsel ein und schaffst Raum für neue Denkansätze. Die Gruppe kann Ursachen hinter Symptomen entdecken, kontraproduktive Verhaltensweisen erkennen und Gegenmaßnahmen entwickeln, um diese zu stoppen. Das schafft eine Grundlage für schwierige Entscheidungen, an die sich die Beteiligten bisher womöglich nicht herangetraut haben.
TRIZ (Creative Destruction) kann außerdem sichtbar machen, was passiert, wenn eine Entscheidung nicht getroffen oder eine Veränderung nicht umgesetzt wird. So kannst du auch Entscheidungsgrundlagen aus einer ungewohnten Richtung beleuchten.
Angenommen, dein Team ist seit längerer Zeit unzufrieden mit seinem Büro und erhält die Möglichkeit, neue Räumlichkeiten zu beziehen. Die Entscheidung lautet: „Passen diese Räumlichkeiten zu uns und können wir uns dort wohlfühlen?“ Statt unmittelbar Pro und Contra zu sammeln, könnte die TRIZ-Frage lauten: „Was müssen wir tun, um uns in den neuen Räumlichkeiten komplett unwohl zu fühlen?“ Durch diese Verschiebung der Perspektive können die Beteiligten die Situation anders betrachten, sich konkreter hineinversetzen und die Entscheidungsgrundlagen besser bewerten.
Wie?
Wie?
Vorbereitung
Bereite die Fragestellung für das unerwünschte Ergebnis vor.
Tipp: Verschärfe die Fragestellung und trau dich, zu übertreiben. Formuliere beispielsweise: „Was könnt ihr alles tun, das zuverlässig garantiert, dass euer Projekt nicht nur scheitert, sondern niemand mehr Lust hat, miteinander zu arbeiten?“ Das erleichtert das „Geständnis“ im zweiten Schritt und bringt mehr Spaß.
Optional: Bereite für jeden Schritt von
TRIZ (Creative Destruction) ein Flipchart oder eine Spalte auf einem Whiteboard vor, auf dem die Gruppe ihre Ergebnisse sammeln wird. Denk daran, die Flipcharts für die Folgeschritte – Schritte 3 und 4 – abzudecken, um die Überraschung nicht zu verderben.
Variante: Verwende eine der Optionen aus der Tabelle der Kombinationen, beispielsweise
1-2-4-All, um mit der Gruppe ein unerwünschtes Ergebnis oder eine unerwünschte Situation zu identifizieren und auszuformulieren.
Raum und Material
- 🖊️ Stift und Papier für alle Beteiligten
- 🗒️ Flipchart oder Whiteboard für die Ergebnisse aus den Schritten 2, 3 und 4, für alle Gruppen sichtbar platziert
- Optional: 🪑 Stühle, angeordnet für die Arbeit in Vierergruppen
Einladung
Sprich nacheinander folgende drei Einladungen an die Beteiligten aus:
- 💬 „Erstellt eine Liste mit Maßnahmen, die garantieren, dass ihr für euer wichtigstes Ziel das schlechteste Ergebnis erzielt.“
- 💬 „Geht diese Liste Schritt für Schritt durch und fragt euch: ‚Was davon tun wir bereits?‘ Seid schonungslos ehrlich und erstellt eine zweite Liste mit den bereits existierenden kontraproduktiven Aktivitäten.“
- 💬 „Geht die Punkte der zweiten Liste durch und fragt euch bei jedem Punkt: ‚Wie können wir diese kontraproduktive Aktivität stoppen?‘“
Schritte und Durchführung
1. Unerwünschtes Ergebnis vorstellen
⏳ 2 Minuten
Stelle das unerwünschte Ergebnis vor.
- Tipp: Schmücke dies ruhig ein wenig aus, damit sich die Beteiligten das Szenario gut vorstellen und sich in die Situation hineinversetzen können. Hab Spaß bei der Schilderung. Ein wenig Übertreibung ist erlaubt und hilfreich.
2. Wie erreichen wir unser unerwünschtes Ergebnis?
⏳ 12–15 Minuten
Frage die Gruppe: „Welche Aktivitäten garantieren, dass ihr für euer wichtigstes Ziel das schlechteste Ergebnis erzielt? Welche Ideen habt ihr außerdem, um euer Ziel zu torpedieren?“
Bitte die Beteiligten,
1-2-4-All zu verwenden und ihre Ergebnisse auf einem Flipchart zu sammeln.

- Tipp: Lade die Beteiligten dazu ein, Spaß zu haben, auch die scheinbar absurden und lustigen Maßnahmen aufzuschreiben und sich dabei gegenseitig zu beflügeln. Mach ihnen klar, dass
TRIZ (Creative Destruction) am besten funktioniert, wenn alle ein wenig über das Ziel hinausschießen. - Stolperfalle: Verrate noch nicht die unerwartete Wendung von Schritt 3. Sonst verknüpfen die Beteiligten die unerwünschte Situation bereits mit ihrer aktuellen Situation und ihre Ehrlichkeit und Kreativität werden eingeschränkt.
3. Was machen wir bereits?
⏳ 12–15 Minuten
Bitte die Beteiligten, die folgende Frage mithilfe von
1-2-4-All zu beantworten: „Geht die Liste aus Schritt 2 durch und fragt euch: Was davon tun wir heute bereits genau so oder ähnlich? Was kommt euch bekannt vor?“
Lass die Gruppe die erkannten kontraproduktiven Aktivitäten klar ausformulieren und für alle sichtbar auf einem Flipchart sammeln.

- Stolperfalle: Bei größeren Gruppen kann die Menge an erkannten Aktivitäten für den nächsten Schritt zu groß werden. Fordere dann die Vierergruppen auf, nur die schmerzhaftesten, schädlichsten oder hinderlichsten Aktivitäten zu nennen.
- Variante: Lass die Gruppe die erkannten kontraproduktiven Aktivitäten lediglich auf der ersten Liste anhaken, sofern diese bereits passend formuliert sind.
4. Wie stoppen wir das?
⏳ 12–15 Minuten
Frage die Gruppe: „Geht die Liste eurer kontraproduktiven Aktivitäten durch und fragt euch: Was werden wir konkret gegen diese Aktivitäten tun? Wie können wir diese Aktivitäten stoppen? Was ist der erste Schritt dazu?“
Verwende
1-2-4-All, um Maßnahmen zu generieren und sie im Anschluss mit allen auf einem Flipchart zu teilen.

- Tipp: Fokussiere die Gruppe auf die Aktivitäten, die sie wirklich selbst stoppen will und kann.
- Stolperfalle: Es kann passieren, dass die Gruppe Maßnahmen generiert, die nicht zu den kontraproduktiven Aktivitäten passen.
TRIZ (Creative Destruction) ist zum Stoppen da und schafft Platz. Missbrauche es nicht zum Starten neuer Dinge! Weise die Gruppe darauf hin und wiederhole diesen Schritt bei Bedarf. - Stolperfalle: Achte bei den Maßnahmen darauf, dass sie wirklich ernst gemeint und umsetzbar sind. Ein guter Indikator für wenig hilfreiche Maßnahmen sind Formulierungen wie „sollten“ oder „Jemand sollte …“. Bitte die Beteiligten darum, die Maßnahmen beginnend mit „Ich werde aufhören, …“ oder „Wir werden ab sofort … stoppen“ zu formulieren. Frage außerdem: „Wer kann noch helfen, diese Verhaltensweisen zu stoppen? Wer muss noch involviert werden?“
- Optional: Um die Maßnahmen und Entscheidungen noch fundierter zu machen, frage die Gruppe zusätzlich: „Was sind die Auslöser für das kontraproduktive Verhalten?“ und/oder „Gibt es konkurrierende Annahmen und Entscheidungen, die dich oder euch davon abhalten, das Verhalten zu stoppen?“ und/oder „Was brauchst du von anderen, um mit dem Verhalten aufzuhören?“ ⏳ +5–15 Minuten
Allgemeine Tipps, Varianten und Fallen
Optional: Nimm dir nach jedem Schritt Zeit, die Ergebnisse der Gruppen zu beleuchten. Lies noch einmal einige Ideen, erkannte Aktivitäten oder gefundene Maßnahmen vor und lass sie ausschmücken: „Wie fühlt es sich an, wenn dies oder jenes passiert?“, „Was würde dann noch passieren?“, „Wen würde dies oder jenes am schlimmsten treffen?“ oder „Was wird dadurch ermöglicht?“
Variante: Teile größere Gruppen auf, die dann Schritte 2 bis 4 parallel durchführen und ihre eigenen Zwischenergebnisse erzeugen. Lass im Anschluss die Maßnahmen aus Schritt 4 oder sogar die Erkenntnisse aus Schritt 3 mit allen teilen. Du kannst hierzu gut verwenden.
Variante: Falls die Beteiligten nicht denselben Kontext teilen oder du ganz generell nur auf persönlicher Ebene Maßnahmen anstoßen willst, dann weise in den Schritten 3 und 4 an, diese für sich im Stillen durchzuführen.
Hilfemuster: Gemeinsames Formen
Gemeinsames Formen – dein Gegenüber und du, ihr deckt gemeinsam Lösungen auf, nehmt Angebote voneinander an und entwickelt sie weiter.
Kombination mit anderen LS
| Wann? | Was? | Wozu? | Wie? |
|---|---|---|---|
| Zur Vorbereitung | Ecocycle Planning | Um gemeinsam sicherzustellen, dass die Gruppe eine Aktivität auf dem Ecocycle weiterbewegt. Zum Beispiel, wenn eine Gruppe eine Idee in die Umsetzung bringen will. Das unerwünschte Ergebnis ist dann, dass die Aktivität auf dem Ecocycle stehenbleibt. | Frage zunächst: „Welche Aktivität auf eurem Ecocycle wollt ihr auf jeden Fall weiterbewegen?“ Die Einladung für TRIZ (Creative Destruction) lautet dann: „Wie könnt ihr garantieren, dass die Aktivität stehen bleibt, wo sie ist, und sich keiner von euch um das Fortschreiten der Aktivität kümmert?“ Am Beispiel einer Idee: „Wie könnt ihr garantieren, dass eure Idee niemals umgesetzt wird?“ |
Impromptu Networking 1-2-4-All | Um gemeinsam mit den Beteiligten ein unerwünschtes Ergebnis zu finden. | Mit Impromptu Networking teilt die Gruppe zuerst ihre Ideen: „Was wäre das schlechteste Ergebnis für die Gruppe?“, „Wie äußert sich das?“, „Wie fühlt sich das für dich im Alltag an?“Mithilfe von 1-2-4-All findet die Gruppe heraus, welches Ergebnis am schlechtesten ist: „Was ist das schlimmste Ergebnis aus euren Gesprächen? Welchem wollt ihr nachgehen?“ Dabei muss sich jede Vierergruppe auf ein Ergebnis einigen. | |
25/10 Crowd Sourcing | Um das Ergebnis, die Situation oder das Verhalten zu finden, das die Gruppe am meisten kontraproduktiv findet. | Führe 25/10 Crowd Sourcing mit der Einladung durch: „Welches Ergebnis oder welche Situation fändest du am schlimmsten?“ oder „Welches Verhalten in unserer Gruppe fändest du am schädlichsten?“Formuliere den ersten TRIZ (Creative Destruction)-Schritt entsprechend: „Wie können wir sicherstellen, dass dieses Ergebnis/diese Situation/dieses Verhalten eintritt?“ | |
Anxiety Circus | Um die größte Angst einer Gruppe zu identifizieren und herauszufinden, was bereits passiert, damit sich die Angst bewahrheitet. | Führe den Anxiety Circus – eine Variante von | |
| Währenddessen | 15% Solutions | Um in Schritt 4 vor allem den persönlichen Handlungsspielraum aufzudecken. | Führe in Schritt 4 anstelle von 1-2-4-All ein 15% Solutions mit folgender Einladung durch: „Welche Gegenmaßnahmen kannst du aus eigener Kraft ohne fremde Hilfe oder zusätzliche Ressourcen ergreifen?“ |
| Im Anschluss | 15% Solutions | Um die Umsetzung der gemeinsamen Gegenmaßnahmen aus Schritt 4 bei jedem Einzelnen zu initiieren. | Frage: „Welche der Gegenmaßnahmen kannst du aus eigener Kraft ohne fremde Hilfe oder zusätzliche Ressourcen vorwärtsbringen?“ |
Options Place | Um tiefer in die Gegenmaßnahmen aus Schritt 4 einzusteigen und diese in der Gruppe auszuarbeiten. | „Sucht euch eine der Gegenmaßnahmen aus und findet eine Gruppe, in der ihr detaillierter besprecht, was nun zu tun ist.“ | |
Ecocycle Planning | Um die Gegenmaßnahmen auf einem Ecocycle zu verorten oder einen Überblick über den aktuellen Stand und den Fortschritt zu erhalten. | „Ordnet die Gegenmaßnahmen auf dem Ecocycle an und entscheidet, welche ihr als Nächstes voranbringen möchtet.“ |
Beispiel
Führungskräfte und Entscheidungsfindung
Eine Gruppe von Führungskräften war unzufrieden damit, wie ihre Entscheidungen aufgenommen und umgesetzt wurden. Ich habe mit ihnen ein
TRIZ (Creative Destruction) durchgeführt und sie eingeladen: „Erstellt eine Liste von Verhaltensweisen, die garantieren, dass die Entscheidung völlig intransparent und über die Köpfe der Leute hinweg getroffen wird.“
Anschließend habe ich gefragt: „Welche dieser Verhaltensweisen legt ihr heute schon an den Tag, wenn ihr Entscheidungen trefft? Erstellt eine Liste von Konsequenzen, die in der Vergangenheit daraus resultierten, dass ihr Entscheidungen auf diese Art und Weise getroffen habt.“
Abschließend habe ich sie eingeladen zu entscheiden, welche Verhaltensweisen sie ändern oder stoppen müssen, damit ihre Entscheidungen transparent und von den Beteiligten umgesetzt werden.
Durch
TRIZ (Creative Destruction) konnten die Führungskräfte reflektieren, warum das Treffen von Entscheidungen, ohne die Betroffenen einzubinden, dazu führt, dass die Entscheidung nicht verstanden und daher schlecht umgesetzt wird. Die Führungskräfte bekamen auf diese spielerische Weise einen klaren Blick auf die Konsequenzen ihres Handelns und entschieden, die Beteiligten zukünftig in die Entscheidungsfindung einzubinden.
Ursprung und Inspiration
Diese Liberating Structure ist inspiriert durch den namensgebenden russischen Ansatz. Nancy White hat gemeinsam mit Keith den offiziellen Namen von „TRIZ“ zum Kernkonzept geändert: „Creative Destruction“.







