Ecocycle Planning

Analysiere das Portfolio von Aktivitäten und fokussiere Chancen und Hindernisse, um …

  • zu entscheiden, worauf die Gruppe sich fokussieren will und was beendet werden muss,
  • Prioritäten zu setzen,
  • die Kapazität der Gruppe zu berücksichtigen,
  • ein gemeinsames Bild des Portfolios zu zeichnen,
  • zu entdecken, wo die Gruppe Zeit und Ressourcen verschwendet, und so Kapazitäten freizulegen,
  • gleichzeitig den Wald und die Bäume zu betrachten.

Wir alle haben eine Menge zu tun! Du bist umgeben von Ideen, Aktivitäten, Beziehungen und Projekten. Du weißt so manches Mal nicht, womit du weitermachen, beginnen oder aufhören sollst. Betrachtest du das Portfolio der Aktivitäten einer ganzen Gruppe, kommt erschwerend hinzu, dass die Beteiligten uneins über den Status einer Aktivität sein können. Manchmal wissen die Beteiligten auch nicht, womit sich die anderen beschäftigen. Fast immer nimmt sich eine Gruppe zu viel vor und verliert dadurch den Fokus oder sie hält an überflüssigen Aktivitäten fest und verpasst so, Raum für Neues zu schaffen.

Grober Ablauf

Beim Ecocycle Planning erstellt deine Gruppe eine Liste der Aktivitäten, die aktuell ihre Zeit binden, und sortiert diese auf dem Ecocycle ein. Anschließend überlegt die Gruppe, welche Aktivitäten sie voranbringen und welche Aktivitäten sie stoppen möchte. Sie überlegt sich dabei, wie sie ihre vorhandenen Ressourcen am besten einsetzen kann und auf welche Aktivitäten sie sich fokussieren will. Schließlich überlegt sich die Gruppe, wie sie die identifizierten Aktivitäten stoppen oder voranbringen wird. 

Wirkung und Effekte

Wann kannst du Ecocycle Planning anwenden und was kannst du damit erreichen?

Mit Ecocycle Planning kannst du das gesamte Portfolio der Aktivitäten (oder Projekte, Ideen, Experimente, Regelmeetings, Herausforderungen und so weiter) deiner Gruppe sichtbar machen. Die Gruppe ordnet jeder Aktivität einen Reifegrad zu. Dabei bedient sich Ecocycle Planning der Metapher des endlosen Kreislaufs des Lebens in der Natur – dem Ecocycle. Irgendwann sitzt der Funke einer Idee, ein Samen, in der Erde. Wenn du diesen mit Nährstoffen versorgst, dann entschlüpft daraus ein Pflänzchen. Mit genügend Zuwendung und Ressourcen wächst daraus eine reife Pflanze, die Früchte trägt, von denen du profitierst. Unausweichlich wird diese Pflanze alt und hat ausgedient. Ihre Früchte sind nicht mehr attraktiv oder du brauchst den Platz für neue Pflanzen. Dann brennst du sie nieder, um ihre Nährstoffe wieder dem Nährboden zuzuführen. Zudem beinhaltet der Kreislauf zwei Fallen: die Armutsfalle und die Trägheitsfalle. In der Armutsfalle stecken Samen, die du bereits zum Sprießen auserkoren hast. Nur führst du diesen nicht genug Wasser und Wärme zu. Im übertragenen Sinn teilst du bereits geplanten Aktivitäten keinerlei Ressourcen zu. In der Trägheitsfalle stecken überreife Pflanzen, die Platz, Licht, Wasser und Nährstoffe verbrauchen. Deren Früchte beginnen zu faulen oder schmecken niemandem mehr. Es handelt sich um die Aktivitäten, für deren Fortführung es keinen Grund mehr gibt, Aktivitäten, die deine Aufmerksamkeit binden, ohne dass du davon profitierst. In dieser Metapher steht deine Gruppe für den Nährboden oder die Gärtnerei. Ihre Ressourcen sind begrenzt und bedürfen einer regelmäßigen, wohlüberlegten Betrachtung ihrer Kapazitäten. 

Ecocycle Planning in der Entscheidungsfindung

Bei der Entscheidungsfindung können damit parallele Lösungsansätze oder Herausforderungen bewertet werden. Welcher Ansatz steht kurz vor der Reife und braucht mehr Zuwendung? Auf welche Herausforderung willst du dich konzentrieren? Was ist gerade nicht wichtig und bindet unnötig Aufmerksamkeit? Auch kannst du die verschiedenen Maßnahmen zur Umsetzung einer Entscheidung auf dem Ecocycle einsortieren, bewerten und gezielt in die Reife bringen lassen. 
Ecocycle Planning bringt die Vielfalt von Aktivitäten, Projekten, Tätigkeiten, Ideen oder Lösungsansätzen zum Vorschein, die gerade die Aufmerksamkeit deiner Gruppe binden, und macht deren Status deutlich. Die Gruppe kann so gemeinsam entscheiden, auf was sie sich in Zukunft fokussieren will und was gerade unnötig Ressourcen bindet. Du kannst für eure Entscheidungsfindung Informationen beschaffen, verschiedene Lösungsansätze bewerten, die Umsetzung fokussiert voranbringen oder rückblickend beurteilen, welche Maßnahmen wie gewirkt haben. 

Die vier Phasen und zwei Fallen des Ecocycle

Der Ecocycle ist ein unendlicher Kreislauf und wird durch das Unendlichkeitszeichen symbolisiert (genau genommen durch ein Möbiusband – eine Fläche mit nur einer Kante und einer Seite – in Form eines Unendlichkeitszeichens, so wie im Symbol von Ecocycle Planning). Entlang des Kreislaufs geht es von der Erneuerung über die Armutsfalle in die Geburt. Hier beginnt das Wachstum bis in die Reife. Überschreitet man die Trägheitsfalle, dann verläuft der Ecocycle weiter über die kreative Zerstörung über die Umgestaltung wieder in die Erneuerung.  

PhaseEcocycle-MetapherBezogen auf AktivitätenVerhaltensmuster
Erneuerung Ein Samen liegt in der Erde oder wird gerade gesät.Eine Aktivität liegt als Idee vor und die Gruppe hat noch keine Zeit dafür investiert.Netzwerker: neue Verbindungen herstellen, Ideen teilen und verbreiten
ArmutsfalleWasser, Dünger und Gerätschaften wurden angeschafft, aber nicht genutzt.Man hat entschieden oder darüber gesprochen, sich der Aktivität zu widmen, tut es jedoch nicht, oder die Gruppe findet die Aktivität insgeheim wertvoll, kümmert sich aber nicht darum. Alternativ fehlen der Gruppe die notwendigen Ressourcen, um mit den Aktivitäten zu beginnen.Ignorant: das Offensichtliche vernachlässigen
Geburt Der Samen hat gekeimt und ein Pflänzlein gedeiht.Die Gruppe widmet sich der Aktivität und investiert ihre Ressourcen. Unternehmer: Ressourcen beschaffen, investieren
Reife Die Pflanze trägt Früchte, die geerntet werden.Die Aktivität erzeugt wertvolle Ergebnisse, wie etwa ein am Markt erfolgreiches Produkt oder ein regelmäßiges Meeting, von dessen Nutzen alle Teilnehmer überzeugt sind.Manager: Bestehendes verwalten, optimieren, ausreizen
TrägheitsfalleDie Pflanze verbraucht Licht, Wasser, Platz und die Früchte verfaulen. Man hat entschieden oder darüber gesprochen, mit dieser Aktivität aufzuhören, tut es jedoch nicht, oder alle sind insgeheim der Meinung, dass die Aktivität keinen Sinn mehr ergibt.. Reaktionär: an Bestehendem oder Schadhaftem wider besseres Wissen festhalten
Kreative Zerstörung Die Pflanze wird niedergebrannt und der Boden gepflügt. Die Gruppe ist aktiv dabei, die Aktivität zu beenden, auf das Wesentliche einzudampfen oder neu zu denken. Ketzer: scheinbare Wahrheiten offen anzweifeln, Bestehendes einreißen

Alternative Metaphern sind die Bezeichnungen „Gestation“ (~“Schwangerschaft“) anstelle von „Erneuerung“, „inkrementelle Innovation“ und „radikale Innovation“ anstelle von „Wachstum“ und „Umgestaltung“, „Konservierung“ anstelle von „Reife“ oder „Reorganisation“ anstelle von „Erneuerung“. 

Vorbereitung

Bereite einen großen Ecocycle für die gemeinsame Platzierung der Aktivitäten vor, sodass du ihn gut sichtbar im Raum platzieren kannst.

Tipp: Nummeriere verschiedenfarbige Post-its durch, sodass die einer Farbe dieselbe Nummer tragen. Die Gruppe braucht pro vier Beteiligte und Farbe mindestens ein Post-it. Idealerweise bereitest acht bis zwölf verschiedene Farben vor. Falls du nicht genügend Farben auftreiben kannst, male verschiedene Muster oder Umrandungen auf die Post-its. Das hilft der Gruppe später, die Verteilung der Aktivitäten auf dem Ecocycle einfacher und rascher zu erfassen.

Raum und Material
  • Stift und Papier für die Liste der Aktivitäten und für den individuellen Ecocycle jedes Beteiligten
  • Post-its in (idealerweise acht bis zwölf) verschiedenen Farben und ein Flipchart für die gemeinsame Liste der Aktivitäten
  • Großer Ecocycle an der Wand oder auf dem Boden
  • Optional: Ecocycle-Ausdrucke auf DIN-A4
Einladung

💬“Macht euer Portfolio der Aktivitäten auf dem Ecocycle sichtbar und überlegt gemeinsam, welche davon ihr voranbringen und welche ihr stoppen wollt.“
💡Variante: Du kannst anstelle von Aktivitäten Projekte, Produkte, Meetings, Herausforderungen, Beziehungen, Hobbys, Freundschaften, Entscheidungen, Strategien und so weiter analysieren. Im Folgenden steht „Aktivität“ synonym für diese Begriffe.

Schritte und Durchführung

Schritt 1: Prinzip des Ecocycle erklären

⏳5 Minuten

  • Beschreibe der Gruppe die Metapher des Ecocycle.
  • Veranschauliche dabei die vier Phasen und die beiden Fallen.
  • Erkläre, dass die Beteiligten Aktivitäten auf dem Ecocycle einsortieren werden, um gemeinsam zu entscheiden, wie sie mit diesen Aktivitäten weitermachen wollen.
  • Tipp: Betone, dass wir Aktivitäten bewusst oder unbewusst immer entlang der Phasen des Ecocycle bewegen und dabei keine Phase auslassen: Bevor eine Aktivität reif ist, musst du sie starten. Vor dem Starten muss sie als Idee vorliegen. Ideen entstehen auch durch bewusstes Neudenkenvorhandener Aktivitäten.
  • Stolperfalle: Manche Beteiligten finden die Phase Kreative Zerstörung schwer greifbar oder ungewohnt. Erkläre, dass immer dann, wenn wir mit etwas Reifem aufhören, wir es bewusst oder unbewusst durch diese Phase führen. Das kann auch bedeuten, dass wir die entsprechende Aktivität neu denken. Beispielsweise kannst du ein wertloses, wöchentliches Meeting einfach in der kreativen Zerstörung stoppen oder du denkst es in der kreativen Zerstörung neu und bringst es schrittweise entlang des Ecocycle wieder zur Reife.
  • Optional: Verwende ein konkretes Beispiel, um den Kreislauf anschaulich zu erklären. Verwende etwa die verschiedenen Reifegrade eines Unternehmens über die Jahre, wie beispielsweise von Microsoft oder Apple. Anfang der 1980er entstand aus den ambitionierten Ideen (Erneuerung, Geburt) der beiden Apple-Gründer der damals erfolgreichste Personal Computer (Reife). Mit einem aufgeblähten Produktportfolio und fehlenden Innovationen (Trägheitsfalle) rutschte Apple dann an den Rand der Insolvenz. Ende der 90er erfolgte eine gezielte Verkleinerung des Produktportfolios (kreative Zerstörung) und die Fokussierung auf wenige Produkte. Mit der Einführung des iPod (Erneuerung, Geburt) und spätestens mit dem iPhone stieg Apple zum weltweit wertvollsten Unternehmen auf (Reife). Inzwischen werden Stimmen lauter, dass dem Unternehmen erneut Innovationen fehlen und es sich zu stark abhängig von einem Produkt macht (Trägheitsfalle). 

Schritt 2: Aktivitäten finden

⏳10 Minuten

Bitte die Beteiligten, eine Liste von Aktivitäten zu erstellen, die ihre Zeit oder Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Lass die Listen mithilfe von 1-2-4 zusammenführen.

  • Tipp: Nimm vorweg, dass die Gruppe insgesamt zwischen acht bis maximal zwölf Aktivitäten auf dem Ecocycle einsortieren wird.
  • Tipp: Bitte darum, in den Vierergruppen die Aktivitäten nach Relevanz zu priorisieren. Wie wichtig ist die Aktivität für die Gruppe beziehungsweise den Purpose der Gruppe? Wie viele Personen sind an der Aktivität beteiligt, wie viele sind von ihr betroffen? Wie viel Aufmerksamkeit, Zeit, Ressourcen bindet die Aktivität?
  • Stolperfalle: Unklar beschriebene Aktivitäten erzeugen eine unnötig uneinheitliche Platzierung und kosten im weiteren Ablauf viel Zeit. Unterstütze die Gruppe dabei, die Aktivitäten, die sie betrachten will, klar und konkret zu benennen – beispielsweise durch eine Kombination aus Substantiv und Verb.
  • Stolperfalle: Der Begriff „Aktivität“ kann für die Gruppe bereits belegt sein und verwirrend wirken. Einige dich dann mit der Gruppe auf einen passenderen Begriff. 

Schritt 3: Gemeinsame Liste von Aktivitäten erstellen

⏳5 Minuten

Bitte die Vierergruppen, reihum in mehreren Runden ihre jeweils relevanteste Aktivität zu nennen und schreibe diese auf dem Flipchart neben die durchnummerierten Post-its.
Am Ende sollten zwischen acht und zwölf Aktivitäten auf dem Flipchart stehen.

  • Tipp: Die Vierergruppen werden teilweise dieselben oder ähnliche Aktivitäten nennen. Führe diese gemeinsam mit der Gruppe zusammen, sodass eine für alle verständliche Liste an Aktivitäten entsteht.
  • Stolperfalle: Für die anschließende Platzierung sollten alle ungefähr dieselbe Vorstellung von den Aktivitäten haben. Frage dafür beispielsweise bei jeder Aktivität: „Ist jemandem die Aktivität unklar?“ 
  • Stolperfalle: Bei mehr als zwölf Aktivitäten oder vielen Vierergruppen können die folgenden Schritte und der gemeinsame Ecocycle unübersichtlich werden. Beschränke bei großen Gruppen (>24 Personen) die Anzahl der Aktivitäten auf acht bis zehn oder plane mehr Zeit für die folgenden Schritte ein. ⏳+5–30 Minuten 

Schritt 4: Aktivitäten auf Ecocycle platzieren

⏳4 Minuten

Lass die Beteiligten den Ecocycle skizzieren oder verteile den Ecocycle-Ausdruck. Bitte die Beteiligten, die Aktivitäten gemäß der Nummerierung auf dem Flipchart auf dem eigenen Ecocycle zu verorten.

  • Optional: Falls Beteiligte eine Aktivität nicht einsortieren können, lass sie diese ignorieren oder unter einem „?“ notieren.

Schritt 5: Gemeinsame Platzierungen erstellen

⏳11 Minuten

Bitte die Gruppe, sich zuerst in Zweier- und dann in Vierergruppen mit 2–4 (5´, 6´) über ihre Platzierung auszutauschen, sich schließlich auf eine Platzierung zu einigen und diese auf einem Ecocycle auf Papier zu notieren. 

  • Tipp: Achte auf die Einhaltung der Zeitfenster, um den Fokus auf den Austausch über die Platzierung zu setzen. Kleingruppen können bei anhaltender Uneinigkeit für eine Aktivität mehrere Platzierungen vermerken. 
  • Tipp: Sobald eine Gruppe ihre gemeinsame Platzierung besprochen hat, bitte sie, diese gleich gemäß Schritt 6 auf den großen Ecocycle zu übertragen. So vermeidest du Stau und Leerlauf im nächsten Schritt.
  • Stolperfalle: Manche Vierergruppen verzetteln sich gerne in eine angeregte Diskussion über die Inhalte von Aktivitäten und besprechen bereits die nächsten Schritte. Mach der Gruppe klar, dass es hier nur um Transparenz der verschiedenen Interpretationen des aktuellen Reifegrads der Aktivitäten geht. Die folgenden Schritte dienen genau dazu, sich über das weitere Vorgehen bei den Aktivitäten zu einigen und schließlich in die inhaltliche Diskussion über die nächsten Schritte zu den Aktivitäten einzusteigen. 

Schritt 6: Aktivitäten auf großen Ecocycle übertragen und reflektieren 

⏳5–10 Minuten

Bitte alle Vierergruppen, ihre Platzierungen mithilfe der durchnummerierten, farbigen Post-its auf den großen Ecocycle zu übertragen und dann in Ruhe das entstandene Bild zu betrachten.
Frage sie nach Mustern, Auffälligkeiten, Überraschungen und der Bedeutung des Bilds für die Kapazität der Gruppe.

  • Stolperfalle: Gleite nicht in die offene Diskussion über Details und mögliche Gründe ab. Lass lediglich zu, Eindrücke zu äußern, und bitte darum, diese nicht zu diskutieren.
  • Variante: Führe ein 1-2-4-All durch, um die Eindrücke tiefer gehend zu reflektieren. ⏳15 Minuten

Schritt 7: Uneinigkeiten bei der Platzierung besprechen 

⏳5–10 Minuten

Identifiziere Aktivitäten, die die Gruppe unterschiedlich platziert hat.
Bitte Beteiligte aus den Vierergruppen, die Aktivitäten unterschiedlich platziert haben, die Unterschiede zu erörtern. Frage sie: „Wer hat die Aktivität A in Phase X, wer in Phase Y platziert? Warum?“

  • Tipp: Stark unterschiedliche Platzierungen verteilen sich typischerweise über den ganzen Ecocycle oder sind durch die Fallen getrennt. Schwache Unterschiede, insbesondere entlang der Strecke zwischen Geburt bis Reife, wie im Beispiel die Aktivität 6, kannst du in diesem Schritt vernachlässigen.
  • Tipp: Unterschiedliche Platzierungen liegen manchmal auch an unterschiedlicher Interpretation der Aktivität. Du kannst an dieser Stelle empfehlen, dass die Gruppe sich für die folgenden Schritte auf eine Interpretation festlegt oder die Aktivität ignoriert.
  • Stolperfalle: Bei einigen Aktivitäten können sich die Unterschiede in der Platzierung auflösen. Das ist jedoch nicht das Ziel dieses Schritts. Divergenz kann in den nächsten Schritten hilfreich sein.
  • Stolperfalle: Dieser Schritt kann leicht in eine unfokussierte Diskussion abgleiten. Teile der Gruppe erneut das Ziel dieses Schritts mit: die Unterschiede in der Platzierung zu verstehen und damit eine gemeinsame Sicht auf das Portfolio zu entwickeln. Dabei ist es in Ordnung, wenn eine Vierergruppe der Meinung ist, dass eine Aktivität neu gedacht werden muss, und die andere Vierergruppe glaubt, dass sie bereits gestartet worden ist, weil jemand bereits daran arbeitet. Mit dieser Erkenntnis kann die Gruppe in den folgenden Schritten arbeiten.
  • Stolperfalle: Du bist in diesem Schritt in der Rolle des Moderierenden. Gehe bewusst damit um und halte dich aus den Inhalten heraus.
  • Im Beispiel: Die Gruppe hat Aktivität 5, 7, 8 stark unterschiedlich platziert. 5 und 7 liegen nahe beieinander. Tatsächlich sehen alle Beteiligten Aktivität 5 und 7 in den Fallen und die Gruppe aktualisiert die Platzierungen entsprechend. Die Aktivität 8 verteilt sich auf den ganzen Ecocycle. Die Gruppe behält diese Platzierung bei.

Schritt 8: Weiterzubewegende Aktivitäten wählen

⏳10–15 Minuten

Lass die Gruppe die Aktivitäten wählen, die sie auf dem Ecocycle weiterbewegen will. Frage sie: „Welche Aktivität wollt ihr starten, reif machen, stoppen oder neu denken?“ Fordere die Gruppe auf, sich dabei abzustimmen und ihre begrenzten Ressourcen zu berücksichtigen: „Wie könnt ihr euer Portfolio ausbalancieren?“

  • Tipp: Bitte Kleingruppen, jeweils einige (bei großen Gruppen: eine) Aktivitäten zu wählen und sich dann in der ganzen Gruppe abzustimmen.
  • Tipp: Aktivitäten in den Fallen sind oft ein sicherer Indikator dafür, dass die Gruppe die Aktivität starten (Armutsfalle) oder stoppen (Trägheitsfalle) möchte. Weise die Gruppe darauf hin.
  • Tipp: Wecke den Ketzer in den Beteiligten und mach der Gruppe die kreative Zerstörung schmackhaft. Hiermit kann die Gruppe gezielt Aktivitäten neu denken: „Wie können wir eine Aktivität frischer, geschickter, gewinnbringender oder effektiver gestalten?“
  • Tipp: Lade die Gruppe an dieser Stelle ein, auch Aktivitäten mit unterschiedlicher Platzierung zu betrachten, um sich auf die nächste gewünschte Phase dieser Aktivitäten zu einigen.
  • Stolperfalle: Warne die Gruppe davor, Phasen zu überspringen oder den Zyklus rückwärts zu gehen. Lass sie Ausgedientes erst einmal neu denken und nicht gleich von der neuen Reife fantasieren. Anstatt beispielsweise von der Trägheitsfalle direkt in die Reife zu springen, soll die Gruppe bewusst die Phasen kreative Zerstörung, Erneuerung und Geburt durchlaufen.
  • Stolperfalle: Manche Gruppen wollen vieles auf einmal bewegen oder viel Neues starten. Auch hier gilt: Die Kapazität der Gruppe ist begrenzt. Bitte die Gruppe, sich (in Kleingruppen) wieder auf die für sie relevantesten Aktivitäten (beispielsweise die aus Schritt 2) zu fokussieren.
  • Optional: Lass die Gruppe – wie im Beispiel – die Ergebnisse auf dem Ecocycle visualisieren und mit einem Stift markieren, wohin sie welche Aktivität verschieben will.
  • Im Beispiel: Die Gruppe hat sich geeinigt, Aktivitäten 4, 5 und 7 aus den Fallen zu bewegen: Die Gruppe will Aktivität 5 starten, Aktivität 4 stoppen und Aktivität 7 neu denken. Aktivität 8 will die Gruppe in die Geburt bringen – sie konnte sich darauf einigen, dass die Aktivität in dieser Form noch nicht gestartet wurde. Mit allen anderen Aktivitäten will sie zu diesem Zeitpunkt so weitermachen wie bisher.

Schritt 9: Nächste Schritte planen

⏳15 Minuten

Fordere die Gruppe auf, sich in Kleingruppen auf die Aktivität(en) aufzuteilen, die sie unbedingt selbst weiterbewegen wollen.
Die Kleingruppen sollen konkrete erste Schritte und Maßnahmen entwickeln. Lass die Kleingruppen die Maßnahmen anschließend mit der ganzen Gruppe teilen, um Transparenz herzustellen und um weitere Unterstützer zu finden.

  • Tipp: Frage am Ende: „Wer will gerne noch bei den genannten Maßnahmen unterstützen?“
  • Im Beispiel: Eine Vierergruppe überlegt sich konkrete Maßnahmen und erste Schritte, um Aktivität 5 zu starten.
Allgemeine Tipps, Varianten und Fallen

🛑Stolperfalle: Achte darauf, dass die Aktivitäten eine ähnliche Granularität, Perspektive und Flughöhe haben, andernfalls kann die Betrachtung der Aktivitäten schwierig werden. Wenn du beispielsweise das Portfolio von Regelmeetings betrachtest und eine Aktivität lautet „Regelmeetings betrachten“, wird das für Kopfzerbrechen sorgen. Gleiches gilt möglicherweise, wenn die Gruppe die Aktivitäten „Kunde Meier betreuen“ und „Kunden betreuen“ für ihr Portfolio an Vertriebsaktivitäten auf dem Ecocycle einsortiert. 

🔀Variante: Keine Konsolidierung der Listen von Aktivitäten: Lass jeden Beteiligten seine Aktivitäten auf dem Ecocycle platzieren und zuerst in Paaren und dann zu viert die Platzierungen besprechen und konsolidieren (Verbindung von Schritt 2, 4 und 5). Jede Vierergruppe schreibt dann ihre Aktivitäten auf Post-its und platziert sie auf dem großen Ecocycle. Dadurch kannst du ein umfänglicheres Bild der Aktivitäten erhalten. Dafür verlierst du deutlich an Übersichtlichkeit: Der große Ecocycle kann schwer zu verstehen sein. Die Gruppe erhält jedoch ein vollständigeres Bild.

🔀Variante: Führe alleine ein Ecocycle Planning für deine Hobbys, Projekte, Freundschaften oder Beziehungen durch.

Hilfemuster: Gemeinsames Formen, liebevolle Provokation

Gemeinsames Formen – dein Gegenüber und du, ihr deckt gemeinsam Lösungen auf, nehmt Angebote voneinander an und entwickelt sie weiter.

Liebevolle Provokation – du deckst liebevoll und direkt blinde Flecken deines Gegenübers auf.

Kombination mit anderen LS

Beispiel

Projektportfolio analysieren und fokussieren 

Ein Team aus dem mittleren Management, das für das globale Portfolio der Unternehmenssoftware verantwortlich war, hatte den Überblick verloren. Sie wussten nicht mehr, wie sie mit ihrer Arbeitslast umgehen sollten. Ich half dem Team mit Ecocycle Planning, sein Portfolio zu analysieren und sich auf die aktuell wichtigsten Projekte zu fokussieren.

Das Team hatte 25 Projekte identifiziert, die aktuell Zeit und Ressourcen banden. Im Verlauf des Ecocycle wurde dem Team klar, dass sich nur ein einziges Projekt in der Reifephase befand und es zu viele Projekte gleichzeitig gestartet hatte. Dies war unter anderem deshalb geschehen, weil der gemeinsame Blick auf das Portfolio bis dato gefehlt und jedes Teammitglied mehrere Projekte gestartet hatte, ohne sich mit den anderen abzustimmen.

Das Team entschied dann, auf welches der Projekte es sich als Nächstes konzentrieren wollte und wer daran arbeiten sollte. Zudem beschloss das Team, einige Projekte erst einmal komplett zurückzustellen, und sprach ab, wer entsprechend welche Kunden informieren sollte.

Ursprung und Inspiration

Diese Liberating Structure wurde von Henri Lipmanowicz und Keith McCandless entwickelt. Dabei haben sie die Arbeit von Brenda Zimmerman und Ökologen adaptiert.

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