Warum?
Warum?
Entdecke und teile den Purpose eurer gemeinsamen Arbeit, um …
- fokussiert und motiviert voranzuschreiten,
- zu entdecken, worauf es den Beteiligten wirklich ankommt,
- entscheiden zu können, wer noch beteiligt werden muss.
Was?
Was?
Mit
9 Whys deckt ihr den tieferen Sinn und Zweck eurer gemeinsamen Arbeit auf. Die Liberating Structure hilft euch dabei, herauszufinden, was euch persönlich antreibt und warum ein Projekt, ein Meeting oder eine gemeinsame Herausforderung wirklich wichtig ist.
Grober Ablauf
Zu Beginn hält jeder Beteiligte fest, womit er oder sie im betrachteten Kontext Zeit verbringt oder künftig Zeit verbringen möchte. Anschließend interviewen sich die Beteiligten paarweise und erforschen mit wiederholten Warum-Fragen die tieferen Gründe hinter diesen Tätigkeiten. Je zwei Paare führen ihre Erkenntnisse zusammen. Zum Abschluss teilen die Vierergruppen ihre wichtigsten Aktivitäten und Motivationen mit allen, sodass ein Bild des gemeinsamen Purpose entstehen kann.
Wirkung und Effekte
Wann kannst du 9 Whys anwenden und was kannst du damit erreichen?
Wir sind umgeben von Meetings und Projekten, deren Sinn und Zweck nicht ausreichend geklärt ist. In solchen Situationen bleiben die Zielrichtung, die Fokussierung und häufig auch die Motivation der Beteiligten unklar.
Mit
9 Whys deckt ihr den Purpose auf: den tieferen Sinn und Zweck eines Meetings, eines Projekts, einer Initiative oder einer gemeinsamen Herausforderung. Die neun Warums stehen dabei sinnbildlich dafür, die tiefer liegenden Gründe mit mehreren aufeinander aufbauenden Fragen freizulegen.
Der gefundene Purpose wird zu einem persönlichen Prüfstein. Die Beteiligten können ihre Handlungen und Entscheidungen daran ausrichten. Das gemeinsame Vorhaben gewinnt an Anziehungskraft und Daseinsberechtigung. Gleichzeitig lernen die Beteiligten kennen, was den anderen wirklich wichtig ist.
9 Whys schafft damit eine wichtige Grundlage für intrinsische Motivation, gemeinsame Fokussierung und verantwortliches Handeln.
9 Whys in der Entscheidungsfindung
Ein Projekt, ein Meeting, eine Initiative oder eine Entscheidungsfindung kann nur dann zielgerichtet verlaufen, wenn klar ist, worauf sie abzielt und warum das wichtig ist. Mit
9 Whys entdecken und schärfen die Beteiligten ihr gemeinsames Was und Warum.
So erzeugst du Sinnhaftigkeit, Fokussierung und Verantwortung für die vorliegende Herausforderung. Du verringerst das Risiko, dass die Gruppe mit großer Energie in eine unklare oder ungeeignete Richtung voranstürmt. Gleichzeitig lernen die Beteiligten die Motivation der anderen kennen und entwickeln eine tragfähige Grundlage dafür, die Herausforderung gemeinsam zu bewältigen.
Eigenschaften eines kraftvollen Purpose
Ein kraftvoller Purpose wirkt anziehend, regt zum Mitmachen an und erfüllt zwei wesentliche Funktionen:
- Er dient jedem Beteiligten als persönlicher Prüfstein.
- Er unterstreicht die Daseinsberechtigung der gemeinsamen Arbeit in ihrem größeren Umfeld.
Ein starker Purpose …
- bezieht sich auf eine beständige und wichtige Tätigkeit in der Gemeinschaft, im eigenen Kontext oder im größeren Umfeld,
- spricht jeden Einzelnen genauso an wie die gesamte Gruppe,
- bleibt bedeutsam, auch wenn die Beteiligten sich weiterentwickeln,
- verleiht jedem Schritt auf dem Weg Bedeutung,
- ist greifbar und lässt sich verständlich ausdrücken.
Ein schwacher Purpose …
- ist eine klischeehafte und kraftlose Plattitüde,
- hat nur für einen Teil der Gruppe Bedeutung,
- kann wie ein Ziel erreicht oder bedeutungslos werden,
- gleicht eher einer gewöhnlichen Leitlinie, einem Mission Statement oder einem Werbeslogan,
- ist abstrakt und schwierig zu erklären.
Wie?
Wie?
Raum und Material
🖊️ Stift und Papier für alle Beteiligten zum Festhalten der Tätigkeiten und ihrer Warums
Optional: 🪑 Stühle und Schreibunterlagen für die Interviews
Einladung
💬 „Lasst uns gemeinsam herausfinden, was der tiefere Sinn und Zweck unserer gemeinsamen Arbeit oder dieser Herausforderung ist.“
Schritte und Durchführung
1. Tätigkeiten sammeln
⏳ 2–3 Minuten
Bitte jeden Beteiligten, eine kurze Liste der Tätigkeiten zu erstellen, die er oder sie bei der Herausforderung oder in der täglichen Arbeit in diesem Kontext ausführt.
Frage: „Womit verbringst du hierbei deine Zeit?“

- Tipp: Geht es um ein zukünftiges Vorhaben, lass Tätigkeiten aufschreiben, die die Beteiligten voraussichtlich durchführen oder planen: „Was wirst du hierfür tun?“
- Stolperfalle: Verlängere diesen Schritt nicht unnötig. Sonst bleibt im anschließenden Interview zu wenig Zeit für die Warum-Fragen. Du kannst diesen Schritt getrost auch auf eine Minute verkürzen.
2. Paarinterviews
⏳ 10 Minuten
Bitte die Beteiligten, Paare zu bilden. Eine Person stellt zunächst kurz ihre Tätigkeiten vor. Anschließend erforscht ihr Gegenüber als interviewende Person mit aufeinander aufbauenden Fragen, warum diese Tätigkeiten persönlich wichtig sind.
Die Kernfrage lautet: „Warum ist dir diese Tätigkeit wichtig?“ Die interviewende Person hält die Antworten fest. Nach fünf Minuten werden die Rollen getauscht.

- Tipp: Nutzt unterschiedliche Arten, nach dem Warum zu fragen: „Wozu?“, „Was ist dir daran wichtig?“, „Erzähl mir mehr darüber“, „Was hoffst du, dass diese Tätigkeit ermöglicht?“ oder „Warum ist es gerade jetzt wichtig?“
- Tipp: Geht nicht mechanisch genau neun Fragen durch. Greift die Antworten des Gegenübers auf und fragt von dort aus weiter.
- Tipp: Ein tiefer Grund zeigt sich häufig daran, dass die interviewte Person lebendig wird, lächelt oder sichtbar inspiriert wirkt. Wird der Grund zu allgemein, kann es hilfreicher sein, eine Ebene zurückzugehen und den konkreteren, „zweittiefsten“ Grund festzuhalten.
- Stolperfalle: Fragt danach, warum etwas für die interviewte Person wichtig ist – nicht zunächst für das Unternehmen oder das Projekt. Sonst entstehen schnell abstrakte oder zynische Antworten.
- Stolperfalle: Das Vorstellen der Tätigkeiten darf nicht ausufern. Dieser Teil ist nur der Einstieg und sollte höchstens eine Minute dauern.
- Stolperfalle: Ausschließlich „Warum?“ zu fragen, kann das Gegenüber in eine Rechtfertigungshaltung bringen. Weicht bei Bedarf auf Fragen wie „Welcher Aspekt davon ist dir besonders wichtig?“ aus.
3. Erkenntnisse zusammenführen
⏳ 5 Minuten
Bitte jeweils zwei Paare, ihre Erkenntnisse und Ergebnisse miteinander zu teilen. Lade die Vierergruppen dazu ein, auf Gemeinsamkeiten und wiederkehrende Motive zu achten.

- Tipp: Die Vierergruppen können sich auf eine Auswahl von Tätigkeiten und Warums einigen, in der für jeden etwas Ansprechendes enthalten ist.
- Variante: Bei Gruppen mit mehr als 20 Personen und engem Zeitrahmen können sich die Vierergruppen auf ein oder zwei besonders wichtige Gründe beschränken.
4. Purpose mit allen teilen
⏳ 5 Minuten
Lade jede Vierergruppe dazu ein, ihre wichtigsten Tätigkeiten und Motivationen mit allen zu teilen. So entsteht für die gesamte Gruppe ein Bild des gemeinsamen Purpose.

- Tipp: Lass am Ende die Gruppe Gemeinsamkeiten aussprechen: „Was haben die Aussage gemein? Erkennt ihr Muster? Wiederholen sich Aspekte?“
Optionale Erweiterungen der Paarinterviews
Variante: Lass die interviewende Person zum Abschluss wiedergeben, was sie verstanden und festgehalten hat. Dadurch fühlt sich ihr Gegenüber gehört und gesehen. ⏳ +5 Minuten
Variante: Lade die Paare dazu ein, aus ihren Tätigkeiten und Warums ein erstes gemeinsames Purpose-Statement zu formulieren. Dazu können sie einzelne Tätigkeiten zu einem größeren Was zusammenführen und die wichtigsten Warums auswählen. ⏳ +5–10 Minuten
Punctuation: Purpose in neun Worten
Einen klaren und anziehenden Purpose kannst du häufig in wenigen Worten ausdrücken. Versuche, möglichst wenige und idealerweise höchstens neun inhaltliche Wörter zu verwenden.
… existiert, um … (was). Das ist mir/uns wichtig, weil … (warum).
Beispiel: „Die Hummusinitiative existiert, um Hummus zu verbreiten. Das ist uns wichtig, weil Hummus zur Gesundheit aller Menschen beiträgt.“
Allgemeine Tipps, Varianten und Fallen
Tipp: Mach
9 Whys zu einer Routine. Beleuchte und festige damit Motivation, Sinn und Zweck von Projekten, Unternehmen, Beziehungen oder persönlichen Vorhaben.
Tipp: Probiert aus, mit dem gefundenen Purpose zu arbeiten. Stellt ihr später fest, dass er euch nicht als Prüfstein dient, führt
9 Whys erneut durch.
Stolperfalle: Ein attraktiver Purpose entsteht nur, wenn die Beteiligten bei ihrer persönlichen Motivation bleiben: „Warum ist das für dich wichtig?“ Andernfalls entstehen leicht Plattitüden oder gewöhnliche Mission Statements.
Stolperfalle: Ein guter und tragender Purpose besteht selten nur aus einem Satz, einem Purpose-Statement. Sehe davon ab, die Statements zwanghaft zusammenzubringen.
Variante: Formuliert ein gemeinsames Purpose-Statement, damit der Purpose präsent bleibt und mit anderen geteilt werden kann. Achtet darauf, ihn nicht so stark zu abstrahieren, dass er für niemanden mehr anziehend ist. ⏳ +5–60 Minuten
Variante: Ergänzt neben der persönlichen Perspektive die Frage: „Warum ist das, was du tust, für unseren größeren Kontext wichtig?“ Der größere Kontext kann beispielsweise das Team, die Kundschaft, das Unternehmen, die Gesellschaft oder die Welt sein.
Variante: Nutze 9 Whys auch für Beziehungen oder Freundschaften. Erkundet gemeinsam, welche Aspekte eurer Beziehung euch besonders wichtig sind.
Unterschied zur 5-Why-Methode
Die 5-Why-Methode dient dazu, Ursache-Wirkungs-Beziehungen zu untersuchen und die Ursache eines Problems oder Symptoms aufzudecken. Sie wird beispielsweise im Qualitätsmanagement und in der Fehleranalyse verwendet.
9 Whys verfolgt einen anderen Purpose: Die Liberating Structure erforscht nicht die Ursache eines Problems, sondern die persönliche und gemeinsame Bedeutung einer Tätigkeit oder eines Vorhabens. Die Zahl steht bei beiden Ansätzen sinnbildlich für eine Folge vertiefender Fragen.
Hilfemuster: Geführtes Entdecken
Geführtes Entdecken – dein Gegenüber hört dir zu und greift deine Formulierungen auf, um mit dir weitere Details deiner Geschichte, deiner Motivation oder deines Problems aufzudecken.
Kombination mit anderen LS
| Wann? | Was? | Wozu? | Wie? |
|---|---|---|---|
| Zur Vorbereitung | Appreciative Interviews | Um das Was zu finden und greifbar zu machen. | „Erzählt euch paarweise eine Erfolgsgeschichte in unserem Kontext. Was ist Tolles passiert?“ Fahre danach mit Schritt 2 fort und frage: „Warum ist diese Erfolgsgeschichte/der Erfolg in dieser Geschichte wichtig für dich?“ |
| Im Anschluss | 1-2-4-All | Um die nächsten gemeinsamen Schritte aufzudecken. | „Wie beeinflusst dieser Purpose unsere nächsten gemeinsamen Schritte? Was müssen wir unbedingt tun?“ |
Beispiel
Den Purpose eines Workshops zur Konfliktbehandlung finden
Während der Vorbereitung eines Workshops zum Thema „Konfliktbehandlung in Teams mit Liberating Structures“ überlegten meine Co-Facilitatoren und ich, welche Inhalte und Erfahrungen wir den Teilnehmenden anbieten wollten. Dazu arbeiteten wir zunächst paarweise unseren persönlichen Purpose heraus und teilten die Erkenntnisse anschließend miteinander.
Die Einladung lautete: „Erstelle eine Liste mit den Lern- und Programmpunkten, die du für den Workshop wichtig findest.“
In den Interviews fanden wir heraus, dass Konflikte in Teams trotz unserer Erfahrung immer wieder herausfordernd waren. Wir wollten den Teilnehmenden Möglichkeiten anbieten, Konflikte zuverlässiger und sicherer zu navigieren.
Mithilfe von
9 Whys gewannen wir Klarheit über unsere unterschiedlichen Motivationen und Ideen und konnten daraus einen gemeinsamen Purpose für den Workshop ableiten.
Ursprung und Inspiration
Diese Liberating Structure wurde von Henri Lipmanowicz und Keith McCandless entwickelt. Sie wurden dabei von Geoffrey Bellman und seinem Buch The Consultant’s Calling: Bringing Who You Are to What You Do inspiriert.



