Warum?
Warum?
Komm direkt ins Handeln und fokussiere dich auf Maßnahmen, die du sofort und ohne fremde Hilfe oder Ressourcen umsetzen kannst, um …
- aus Machtlosigkeit und Frustration auszubrechen und wirklich ins Tun zu kommen,
- umsetzbare Ideen zu teilen und sich gegenseitig zu helfen,
- jeden Beteiligten und die ganze Gruppe ihre Wirksamkeit spüren zu lassen,
- die große Kraft kleiner Taten spürbar zu machen.
Was?
Was?
Mit
15% Solutions entdeckt jeder Beteiligte kleine Maßnahmen, die er sofort und autonom umsetzen kann – ohne fremde Hilfe, zusätzliche Ressourcen oder Erlaubnis. Anschließend helfen sich die Beteiligten gegenseitig dabei, diese 15-%-Lösungen zu schärfen und wirklich ins Handeln zu kommen.
Grober Ablauf
Zunächst sammelt jeder für sich Maßnahmen, die im eigenen Handlungsspielraum liegen. Anschließend stellen die Beteiligten ihre 15-%-Lösungen in Dreiergruppen vor. In einer Beratungsrunde prüfen und schärfen sie diese gemeinsam: Ist die Maßnahme wirklich autonom, konkret und sofort umsetzbar?
Wirkung und Effekte
Wann kannst du 15% Solutions anwenden und was kannst du damit erreichen?
Maßnahmen und Entscheidungen können verpuffen, wenn sie zu groß erscheinen: Die Entscheidung ist getroffen, alle scheinen motiviert zu sein, direkt loszulegen. Erste Maßnahmen zur Umsetzung werden formuliert, als plötzlich Bedenken auftauchen: „Das schaffen wir alleine nie“, „Dafür brauchen wir viel Zeit und Geld“ oder „Dafür muss ich mir erst die Erlaubnis von XY abholen“. Schon haben Mutmaßungen, bürokratische Hürden und vielleicht auch irrationale Ängste Motivation und Tatendrang im Keim erstickt.
Bei
15% Solutions entdeckt jeder die kleinen Maßnahmen – 15-%-Lösungen –, die er direkt und autonom umsetzen kann. Die Beteiligten stellen sich diese Maßnahmen gegenseitig vor und schärfen sie so, dass sie wirklich ohne Erlaubnis, fremde Hilfe oder zusätzliche Ressourcen umsetzbar sind. Neuer Tatendrang ersetzt die gefühlte Machtlosigkeit.
Die Liberating Structure vertraut darauf, dass auch kleine Aktionen Großes bewirken können. Manchmal sind genau diese kleinen Aktionen sogar ausreichend, um ein Problem vollständig zu lösen.
15-%-Lösungen bilden zudem einen Gegenentwurf zu den omnipräsenten „Action Items“ in Maßnahmentabellen („Wer?“ macht „Was?“ bis „Wann?“), bei denen Aufgaben verteilt werden. Stattdessen entdeckt jeder intrinsisch motiviert die Maßnahmen, die er selbst wirklich umsetzen kann.
Verwende
15% Solutions beispielsweise als Abschluss deiner Meetings, damit die Beteiligten mit eigenen Maßnahmen aus dem Meeting gehen. Oder nutze die Liberating Structure für dich selbst, um ein großes Problem anzugehen.
15% Solutions in der Entscheidungsfindung
15% Solutions hilft herauszufinden, wie jeder Einzelne ohne fremde Hilfe oder zusätzliche Ressourcen direkt ins Handeln kommen kann. Ihr könnt sofort damit beginnen, eine getroffene Entscheidung umzusetzen. Die Beteiligten entdecken kleine und überschaubare Schritte, mit denen sie Veränderungen anstoßen können.
Mit
15% Solutions bringst du die Dinge ins Rollen. Vielleicht erkennen die Beteiligten unterwegs sogar, dass es nicht immer notwendig ist, die ganz große Entscheidung zu treffen und umzusetzen.
Schmetterlingseffekt, Schneeballeffekt und Paretoprinzip
15% Solutions erinnert an den Schmetterlingseffekt: Kleine Veränderungen in einem System können unvorhersehbar große Veränderungen anstoßen. Zusätzlich kann
15% Solutions einen Schneeballeffekt ins Rollen bringen, wenn Beteiligte merken, dass sich durch kleine Lösungen doch etwas Größeres bewegen lässt. Das kann wiederum andere motivieren, ebenfalls ins Handeln zu kommen.
Genau genommen findet der Schmetterlingseffekt allerdings in der chaotischen Domäne statt. Ursache und Wirkung sind dort nicht oder nur schwer erkennbar, und vorab lassen sich kaum Annahmen für Experimente treffen. Gareth Morgan, dessen Publikation über den „15% Approach“ der Ursprung dieser Liberating Structure ist, sieht gerade darin ebenfalls Potenzial: Durch kleine oder zufällige Veränderungen können sich Möglichkeiten auftun, die Unerwartetes und Bahnbrechendes erlauben.
15% Solutions spielt zudem auf das Paretoprinzip an. Dieses besagt, dass 80 % der Ergebnisse mit 20 % des Gesamtaufwands erreicht werden und die verbleibenden 20 % weitere 80 % des Aufwands erfordern. Eine 15-%-Lösung zielt gerade nicht auf die in der Regel immer noch erschlagenden 80 % ab, sondern auf die ersten kleinen, autonom machbaren Schritte.
Gareth Morgan meint mit „15 %“ den Anteil an Handlungsfreiheit, den wir üblicherweise haben.
Wie?
Wie?
Raum und Material
🖊️ Stift und Papier für alle Beteiligten
Optional: 🪑 Stühle für die Arbeit in Dreiergruppen
Einladung
💬 „Was kannst du zur Lösung unserer gemeinsamen Herausforderung oder zur Umsetzung dieser Entscheidung beitragen, ohne dabei auf fremde Hilfe, zusätzliche Ressourcen oder Erlaubnis angewiesen zu sein?“
Schritte und Durchführung
1. Prinzip vorstellen
⏳ 2 Minuten
Erkläre die Idee von 15-%-Lösungen und betone, wie wichtig kleine Handlungen für das Lösen einer Herausforderung sein können.
2. Liste mit 15-%-Lösungen erstellen
⏳ 3 Minuten
Sprich die Einladung aus: „Was ist deine 15-%-Lösung? Wo kannst du frei handeln, ohne um Erlaubnis oder zusätzliche Ressourcen fragen zu müssen? Was kannst du tun? Womit kannst du sofort starten?“
Bitte alle Beteiligten, für sich eine Liste mit 15-%-Lösungen zu erstellen.

- Tipp: Verdeutliche den Beteiligten, dass es nicht um die tollsten, brillantesten oder größten Ideen geht, sondern darum, etwas zu finden, das wirklich ohne fremde Hilfe umgesetzt werden kann: „Lasst die hohen Ansprüche und das Streben nach Perfektion beiseite!“
- Stolperfalle: Gruppen, die Konsensbildung gewohnt sind, könnten daran Anstoß nehmen, dass jeder seine eigenen Maßnahmen beschließt. Betone dann, dass die Beteiligten Maßnahmen finden sollen, für die sie keine Erlaubnis von anderen benötigen.
3. 15-%-Lösungen vorstellen
⏳ 9 Minuten bei Dreiergruppen (3 Minuten pro Person)
Lass die Beteiligten Dreiergruppen bilden. Jeder stellt nacheinander seine Maßnahmen vor. So werden zunächst alle Ideen offengelegt und erst im folgenden Schritt verfeinert.

- Tipp: Lass Kleingruppen mit Personen unterschiedlicher Hintergründe bilden, zum Beispiel aus verschiedenen Bereichen des Unternehmens. Durch die Außensicht können besonders vielseitige Ratschläge entstehen. Du kannst etwa einladen: „Geht mit Personen zusammen, mit denen ihr normalerweise selten in Kontakt steht.“
- Variante: Gruppengrößen von zwei oder vier Personen sind ebenfalls möglich. Dreiergruppen bieten meist eine gute Balance aus Austausch, Ideenreichtum und Dauer.
4. Beratungsrunde
⏳ 9–15 Minuten bei Dreiergruppen (3–5 Minuten pro Person)
Nun lässt sich jeder nacheinander von den anderen in der Gruppe beraten. Ziel ist, die Ideen gemeinsam so zu schärfen, dass sie klar, wirklich autonom und direkt von der jeweiligen Person durchführbar sind.

- Tipp – Hilfemuster liebevolle Provokation: Bitte die Beratenden, einen möglichst strengen Blick darauf zu richten, ob es sich wirklich um 15-%-Lösungen handelt. Gib ihnen den Hinweis: „Seid wirklich überzeugt davon, dass eure Klienten ihre Lösungen allein in die Tat umsetzen können und werden.“
Allgemeine Tipps, Varianten und Fallen
Variante: Wenn du
15% Solutions in einer Gruppe anwendest, in der die Beteiligten an verschiedenen Herausforderungen arbeiten, ist es oft einfacher, Schritt 3 „Vorstellung der 15-%-Lösungen“ und Schritt 4 „Beratungsrunde“ zusammenzulegen und jeweils pro Person durchzuführen. So wird jeder direkt im Anschluss an die Beschreibung seiner eigenen Maßnahmen von den anderen beraten.
Variante: Nutze
15% Solutions in einem Coaching-Gespräch, um deinen Coachee den eigenen Spielraum für die Veränderung seiner Situation entdecken zu lassen. Dinge zu finden, die er oder sie sofort und ohne fremdes Zutun umsetzen kann, wirkt oft Wunder.
Hilfemuster: Liebevolle Provokation
Liebevolle Provokation – du deckst liebevoll und direkt blinde Flecken deines Gegenübers auf.
Kombination mit anderen LS
| Wann? | Was? | Wozu? | Wie? |
|---|---|---|---|
| Währenddessen | Troika Consulting | Um das Beraten in Schritt 4 liebevoller und unbeeinflusst vom Beratenen zu gestalten. | Fasse die Schritte 3 und 4 pro Person zusammen. Lass den Beratenen seine Situation und seine 15-%-Lösungen vorstellen. Nach den Verständnisfragen lade die Beratenden ein: „Stellt sicher, dass euer Klient wirklich nur 15-%-Lösungen erstellt hat. Tauscht euch über eure Zweifel aus und überlegt, wie die Lösungen in 15-%-Lösungen umgewandelt werden können.“ |
| Im Anschluss | Wise Crowds | Damit die Beteiligten sich noch tiefergehend zu ihren Ideen beraten lassen können. | „Wer will sich gerne tiefergehend zu seinen 15-%-Lösungen beraten lassen?“ „Beschreibe deine Herausforderung und deine 15-%-Lösungen so, dass die Beratenden sich in deine Situation hineinversetzen können.“ |
Beispiel
Beschlossene Maßnahmen einer Team-Retrospektive konkretisieren
In Retrospektiven betrachtet ein Team regelmäßig seine eigene Arbeitsweise und entscheidet gemeinsam, wie es diese effizienter, angenehmer und wirkungsvoller gestalten kann. Wenn ich als Coach oder Scrum Master die Betreuung eines neuen Teams beginne, werde ich häufig damit konfrontiert, dass bisherige Retrospektiven als wirkungslos empfunden wurden.
Das liegt oft daran, dass die Maßnahmen und Entscheidungen aus den Retrospektiven nicht umgesetzt werden. Kurioserweise beschweren sich gleichzeitig viele Teammitglieder darüber, dass Retrospektiven wirkungslos oder Zeitverschwendung seien, weil die Maßnahmen „eh nicht umgesetzt werden“. Genau diese passive Formulierung ist häufig der Knackpunkt: Bei genauerer Betrachtung sind die beschlossenen Maßnahmen zu groß, zu unkonkret oder nicht von einzelnen Personen umsetzbar. Niemand fühlt sich wirklich in der Lage, eine der Maßnahmen zu realisieren.
Daher lasse ich Teams ihre 15-%-Lösungen finden und frage beispielsweise: „Ihr habt nun eine Reihe von Problemen und Verbesserungsvorschlägen identifiziert. Was will jeder Einzelne von euch tun, um die Probleme zu beheben und die Verbesserungsvorschläge umzusetzen? Was kann jeder von euch ohne die Hilfe anderer und ohne um Erlaubnis zu fragen tun?“ Anschließend führe ich mit ihnen
15% Solutions durch.
Die Teams beginnen dann in kleinen Schritten Veränderungen umzusetzen und ihre Zusammenarbeit und gemeinsamen Prozesse hilfreicher zu gestalten.
Ursprung und Inspiration
Diese Liberating Structure wurde von Gareth Morgans „15% Approach“ inspiriert, den er gemeinsam mit A. Zohar beschrieben hat.



